Vom Tellerwäscher zum Millionär oder vom Cafamitglied zum BDSU-Vorstand

30. Juni Elisabeth Muckel    

Der Bundesverband Deutscher Studentischer Unternehmensberatungen e. V. (kurz: BDSU) vereint die 32 führendsten studentischen Unternehmensberatungen in Deutschland. Seit 2008 gehört auch Capufaktur e.V. aus Greifswald zu diesen Vereinen und ermöglicht den eigenen Mitgliedern ein Netzwerk mit ca. 3000 Studierenden aus ganz Deutschland.  Im Rahmen der vierteljährigen Treffen kam auch ich das erste Mal in Berührung mit BDSUlerInnen und dem engagierten Netzwerk, welches sich gegenseitig motiviert, weiterbildet und Chancen ermöglicht. Eine dieser Chancen eröffnete sich gerade einmal 14 Monate nach meinem allerersten BDSU-Treffen in Passau. Die Chance Vorstand für Qualitätsmanagement im BDSU zu werden. Mit einer Cafamilia im Rücken und motivierenden Worte ging es an die Bewerbung zum BDSU QM Vorstand und am 31. März 2019 auf dem Frühjahrskongress im schönen Münster wurde ich genau in dieses Amt gewählt.  

Aber was bewegt einen dazu, das Studium für ein Jahr quasi auf Eis zu legen, um in einem dezentralen Team die Idee der studentischen Unternehmensberatung zu verbreiten und weiterzuentwickeln? Warum möchte man einen Verband mit circa 3000 Studierenden leiten, verschiedenste Stakeholder koordinieren und strategische Entscheidungen für die nächsten Jahre treffen? Dafür gab es bei mir genau zwei gewichtige Gründe. Numero Eins: Ich wollte mich persönlich beweisen. Mir selbst unter Beweis stellen, dass ich eine gute Führungspersönlichkeit bin und ich mit Wertschätzung ein unglaublich gutes Team aufbauen kann. Dass Qualitätsmanagement nicht langweilig und nervig ist, sondern als Fundament jeder Organisation dient und sein negatives Stigma im BDSU nicht verdient hat. Und Numero Zwei: Raus aus der Komfortzone, einer neuen Herausforderung entgegentreten und meine gesamten Lebenspläne (mal wieder) über den Haufen schmeißen. Masterstudium in Regelstudienzeit? Nichts für mich! 

Neben der Motivation ist es für mich auch spannend zu reflektieren, was ich mir konkret von der Amtszeit erhofft habe. Auch das kann ich gut in zwei Punkten zusammenfassen. Zum einen wollte ich mit meiner Arbeit dem BDSU und den Mitgliedern einen Mehrwert schaffen und meinen Fußstapfen hinterlassen. Unentdeckte Potentiale identifizieren und voranbringen. Menschen für den BDSU und QM begeistern. Zum anderen wollte ich für mich Momente und Erfahrungen sammeln. Ich habe mir gewünscht, dass es eine prägende Zeit wird, auf die ich immer wieder zurückblicken werde. Mit einem großen Schmunzeln im Gesicht, weil der Aufwand und die Mühen mich persönlich verändert und meinen weiteren Lebensweg geprägt haben. Dies ist aber nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen Seite standen selbstverständlich gerade zu Beginn viele Ängste und Hürden. Schafft man solch ein Amt? Ist man dafür bereit, dieser Rolle gerecht zu werden? Was ist, wenn ich meine Ziele nicht erreiche? Menschen und besonders mich selbst enttäusche? Tja, rückblickend lässt sich sagen, die Ängste waren berechtigt, aber mit Herzblut ist der Worst Case nie eingetreten. 😉 

Denn trotz eines Jahres mit Höhen und Tiefen, war es ein Jahr voller Momente puren Stolzes, unendlicher Freude, aber auch Momente, wo ich am liebsten alles hätte hinschmeißen wollen. Als QM-Vorstand war es meine Hauptaufgabe die Qualität unserer Mitgliedsvereine sicherzustellen und in einer jährlichen Audittour zu überprüfen. 8 Wochen on the Road, in denen ich mehr Zeit in deutschen Zügen, als in meinem bisherigen Leben verbracht habe. Ich durfte 32 Vereine kennenlernen, auf Herz und Nieren Projektberichte, Prozesse und Schulungen prüfen und nach dem Audit in geselliger Runde Best-Practices austauschen und den Tag ausklingen lassen. Ich konnte mit meinem QM-Team den 8D-Report zur nachhaltigen Qualitätssicherung in den Mitgliedsvereinen einführen. Habe eine JE aus Düsseldorf für den Verband akquiriert und neben der Ansprache vieler weiteren verbandslosen JEs, bei JE-Neugründungen unterstützt. Als QM-Vorstand war ich mit einer der ersten Ansprechpartner für Herausforderungen bei den Mitgliedern. Hierbei konnte ich hilfreiche Tipps weiterleiten, oder jeweilige Ansprechpartner vermitteln. Konnte Vereine untereinander vernetzen und die innovativsten Ideen dem gesamten Verband bereitstellen. Daneben kontinuierlich an der Verbands- sowie QM-Strategie des BDSU zu arbeiten war eine Herausforderung, die unfassbar viel Spaß gemacht hat.

Es war kein normales Vorstandsjahr. Mittendrin sind zwei Vorstände aus privaten Gründen ausgeschieden, die Liquidität des BDSU war zeitweise in Gefahr und zum Ende der Amtszeit musste der Verband eine Pandemie überstehen und war kurz vor dem Kollaps. Klingt spaßig oder?     

Im Nachhinein reflektiert? Ja! In diesem Jahr habe ich mich persönlich so stark weiterentwickelt wie nie zuvor. Die Reisen quer durch Deutschland und das Kennenlernen so vieler unterschiedlicher Menschen bei Jubiläen, BDSU-Treffen und der Audittour werde ich niemals missen wollen. Habe auf BDSU-Veranstaltungen bis tief in die Nacht getanzt und in Gesprächen mit den Vereinen intensive Diskussionen geführt. Ich durfte hitzige Situationen deeskalieren, ein Team führen, motivieren und ihre eigene Spielwiesen kreieren. Risikomanagement war für mich kein Begriff auf einer Folie im Studium mehr, ich durfte mit meinem Team Risikomanagement par excellence betreiben, um einen Verband durch die Coronakrise zu leiten. Ich habe mich mit meinem Vorstandsteam gestritten, nächtelang diskutiert und manchmal den Hörer einfach aufgelegt. Aber dennoch war es für mich ein Team, was mich unfassbar geprägt hat, von denen ich enorm viel lernen durfte und mit denen ich die schönsten Momente in diesem Amtsjahr teilen konnte.  

Hat es sich somit gelohnt 13,5 Monate fast Vollzeit in den BDSU zu stecken? Definitiv ja! Ich würde es Jedem empfehlen sich in solch ein Abenteuer zu stürzen, aus der Komfortzone zu springen und Fußstapfen zu hinterlassen. Es ist eine prägende und verändernde Zeit, aber auch eine die unendlich viele Momente und Erfahrungen schafft. Zu Viele, um sie in nur einem Fotoalbum festzuhalten! 

Was man hierbei aber nicht vergessen darf. Das alles durfte ich nur erfahren, weil Capufaktur mir die Plattform und die Unterstützung geboten hat, mich auszuprobieren, Erfahrungen zu machen und über meine Komfortzone stetig hinauszuwachsen. Capufaktur e.V. ist ein Verein, den ich über die Zeit immer als Heimathafen und Rückzugsort lieb gewonnen habe. Dort, wo sich Probleme einfach lösen lassen, wo man die Menschen nicht durch die Laptopkamera sieht, sondern im Arm nehmen kann. Ein Safespace, wo man ehrlich gestehen kann, dass man am Limit ist und nicht mehr weiter weiß. Eine Cafamilia, die einen auffängt, wenn man etwas braucht und wo man seine Vorstandsmaske nicht wahren musste.  

Capufaktur ist für mich so echt, so herzlich und so ehrlich. Teil dieses Vereins zu sein hat nicht nur mich persönlich, sondern auch meine Vorstandszeit geprägt. Danke Cafamilia!   

Die Zusammenarbeit mit dir, Ellie, war etwas Besonderes. Die Art und Weise wie du unser Ressort geführt hast und mit deiner Loyalität, hinter der du uns auch den Rücken gestärkt hast, ist das, was dich als starke Persönlichkeit auszeichnet. Ich möchte diese Zeit nicht missen wollen, für diese Erfahrungen bin ich dir sehr dankbar. 

Michael Wellnhofer

BDSU Vorstand Qualitätsmanagement und Ressortleitung unter Ellie 

Elisabeth Muckel